Politische Utopie

Das neue Jahr fängt genauso beschissen an, wie das letzte aufgehört hat? Hört auf zu jammern! Wir suchen Leute, die eine politische Utopie (gestartet) haben!

Wer lebt eine politische Utopie? Gibt es überhaupt noch Alternativen zum jetzigen Wirtschaftssystem? Wo funktionieren im Kleinen andere Systeme? Und: Was können wir daraus mitnehmen? Wo engagieren sich Menschen abseits von politischen Parteien für eine andere Gesellschaft und was kann die große Politik von ihnen lernen? Menschenrechtler, Philosophen, Utopisten! Wer stellt noch die ganz großen Fragen?

Wer Visionen hat, sollte zu uns gehen

Wenn ihr eine Utopie habt oder Leute kennt, deren Utopie wir mal einen Tag lang leben sollen: Schreibt uns hier, auf Facebook, Snapchat (Name: Crowdspondent), Twitter, Instagram oder wo auch immer ihr im Netz Zuhause seid.

Nutzt all eure Seifenblasenkräfte, um unseren Aufruf zu verbreiten! (Und ja, wir haben dieses Video an einem wunderschönen Sommertag vorgedreht – sonst würden wir jetzt krank im Bett liegen … )

Berlin, Weihnachtsmarkt: Wie sagen, was ist?

Der Journalist soll sagen, was ist. Das forderte der Verleger Rudolf Augstein. Was aber, wenn etwas ist, der Journalist aber nicht genau weiß, was?

In Berlin wurden mit einem LKW auf einem Weihnachtsmarkt 12 Menschen getötet und online hauen sich viele Leute verbal die Köpfe zu diesem Thema ein. Wie sollen Journalisten sich in solchen Extremsituationen verhalten? Verstummen, bis klar ist, was genau passiert ist? So handhaben das einige Medienseiten, sie sind vorsichtig geworden, auch weil sie in der Vergangenheit viel Kritik gehört haben. Das bedeutet aber auch: Sie lassen ihr Publikum alleine und überlassen es damit im Zweifel schlechter informierten Quellen. Mit einem Handy in der Hand zum Tatort rennen und einen Live-Stream starten, um zu zeigen, was vor Ort passiert? Das bringt viele Klicks, aber mindestens genauso viel Ärger, denn die Gefahr, dass man dabei Polizeiarbeit behindert, Tätern versehentlich hilft oder verstorbene oder verletzte Menschen gegen ihren Willen ablichtet, ist groß. Das Wenige, was man weiß, veröffentlichen und dazu schreiben, was man nicht weiß? Auch das tun einige Portale – oft stellt sich dann aber heraus, dass das, was die Redaktion/die Polizei/die Politik „wusste“ dann doch nicht komplett gestimmt hat – denn die Informationslage kann sich ständig ändern. Das Geschehen auf einer Meta-Ebene einordnen, ohne dass man genau formulieren kann, worauf man sich überhaupt bezieht? Auch diesen Spagat probieren gerade einige Kollegen.

Wie berichten Journalisten angemessen bei Katastrophen, Anschlägen, Amokläufen? Das fragen sich gerade viele Journalisten – auch wir. Im Gegensatz zu Kollegen am Newsdesk, die unter Zeit- und Kostendruck stehen, haben wir die Möglichkeit, euch zu fragen: Wie wünscht ihr euch Journalismus in Krisensituationen? Was sind Positiv-Beispiele und was schreckt euch ab? Welche Stimmen wollt ihr kurz-/mittel-/ und langfristig gerne hören? Oder ist euch die Berichterstattung sowieso schon zu viel? Falls wir genug interessante Antworten zusammenkriegen, werden wir daraus einen Artikel schreiben, der uns und Kollegen helfen kann, einen besseren Job zu machen. Denn wir beschäftigen uns im Rahmen unserer Recherche „Was ist los mit dir, Deutschland?“ unter anderem damit, wie (Politik-)Journalismus heute funktionieren sollte.

Die Abgehängten

Die ersten Drehtage zu den Themen „Weltbild gesucht“ und „Wie haben sich deutsche Städte verändert?“ liegen hinter uns (Recherche-Update dazu folgt). Jetzt starten wir in das nächste Thema:

Wie geht es eigentlich denjenigen, die statt dem Wachstum zu huldigen, eher das Gefühl haben, zu schrumpfen und sich immer kleiner zu fühlen? Den Menschen, die keine Lobby haben und deren Stimmen nicht so stark wahrgenommen werden, wie die von anderen Interessengruppen, weil sie aus psychischen oder physischen Gründen nicht so leistungsstark sind? Hat der (politische) Stimmungswechsel in Deutschland auch damit zu tun, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen von Politik und Medien zu lange vernachlässigt wurden?

Über Rentner mit Alterskrankheiten kann man jeden Tag etwas in der Zeitung oder im Fernsehen sehen. Wie aber sind die Bedingungen in Deutschland für junge Leute, die aus gesundheitlichen Gründen kurzzeitig aus dem Arbeitssystem geflogen sind? Wie helfen zum Beispiel Intensivgruppen bei der beruflichen und sozialen Wiedereingliederung und warum dauert es oft so lange, bis Betroffene Hilfe bekommen? “Verarmung als Megatrend” nennt einer unserer User die Probleme der unteren Einkommensschichten. Gibt es diesen Megatrend wirklich und wie und wo äußert er sich konkret? Würde ein Bedingungsloses Grundeinkommen helfen oder schafft das neue Probleme?

Wenn ihr euch abgehängt fühlt oder Leute kennt, mit denen wir unbedingt sprechen sollen: Schreibt uns hier, auf Facebook, Snapchat (Name: Crowdspondent), Twitter, Instagram oder wo auch immer ihr im Netz Zuhause seid.

Weltbild gesucht!

„Wie kann man so blöd sein? Ich verstehe diese Menschen nicht! Mit denen kann man auch gar nicht reden!“ Viele von euch haben uns geschrieben, dass sie es verlernt haben, mit Andersdenkenden zu diskutieren. Sie können nicht nachvollziehen, wie man eine andere Sicht auf die Dinge haben kann: Auf die Flüchtlingspolitik. Auf die AfD. Auf Ostdeutschland. Auf den Islam. In unserer Politik-Recherche „Was ist los mit dir Deutschland?“ wollen wir deshalb etwas versuchen, was in der Theorie ganz einfach ist, in der Praxis aber oft nicht funktioniert: Miteinander sprechen. Denn wir alle bewegen uns in unterschiedlichen Filterblasen, wir kriegen durch soziale Netzwerke einen vorgefilterten Blick auf die Welt und auf die Politik. Deshalb suchen wir jetzt zwei Menschen mit sehr unterschiedlicher Sicht auf Deutschland und die deutsche Politik, die uns für einen Tag mitnehmen in ihre Filterblase, also in ihre digitale Welt:

Freiwillige bitte melden! Entweder per Mail an info(at)crowdspondent.de, per Facebook-Nachricht oder in den Kommentaren auf dieser Seite.

Dieser Aufruf ist Teil unserer Recherche „Was ist los mit dir, Deutschland?“ in der wir uns damit beschäftigen, wieso sich dieses Land gerade so drastisch verändert. Wir werden zehn Videos zu zehn verschiedenen Themen produzieren. Für die Umsetzung haben wir mehr als 11 000 Euro in einer Crowdfunding-Kampagne gesammelt.

Waffen, Weltbildwechsel, Wirtschaft: Euer Politik-Journalismus

Von der Bildungspolitik bis zu deutschen Erdogan-Fans: Hier kommen eure Politik-Themen! Wir sind ab Mitte Oktober für euch als politische Reporterinnen unterwegs. Und wie immer recherchieren wir das, was ihr wollt. Ihr habt uns viele Emails, Pinnwandeinträge und Nachrichten geschickt und in zwei Live-Redaktionskonferenzen haben wir eure Ideen diskutiert. Jetzt haben wir aus euren Vorschlägen eine vorläufige Themenliste gebastelt. Daraus sollen dann unsere zehn politischen Videos entstehen! Was meint ihr zu den Themen? Fallen euch konkrete Ansprechpartner ein? In welche Orte sollen wir dafür reisen?

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1) Mein Weltbild, dein Weltbild

Viele von euch wünschen sich, wieder mehr und besser mit anderen Leuten zu diskutieren und aus der eigenen Weltsicht auszubrechen. Wie sieht die Welt aus, wenn man seinen Facebook-Algorithmus verlässt? Was sehen andere, was wir nicht sehen? Und warum werden die Leute im Netz immer wütender? In einem Aufruf werden wir versuchen, zwei Menschen mit sehr unterschiedlicher Sicht auf Deutschland und die deutsche Politik zu finden, die uns für einen Tag mitnehmen in ihre Filterblase, also in ihre digitale Welt. Die uns zeigen, warum sie politische Botschaften hinterlassen und was umgekehrt bei ihnen ankommt. Denn was wir in unsere Streams gespült bekommen, bestimmt unseren Blick auf die Welt. Wir wollen herausfinden: Wieso interpretieren zwei Menschen im selben Land mit denselben technischen Möglichkeiten dieselben Ereignisse so unterschiedlich? Auf welcher Basis können und müssen wir uns mit Andersdenkenden auseinandersetzen?

2) Deutschland, deine Waffen

Die Rüstungsexporte der Bundesrepublik Deutschland haben sich im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt (Quelle: Rüstungsexportbericht des Bundeswirtschaftsministeriums). Es wurden Genehmigungen für die Ausfuhr von Waffen und Waffenzubehör in Höhe von 7,86 Milliarden Euro erteilt (2014: 3,97 Mrd). Dabei ist die SPD alias Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ursprünglich mit dem Versprechen angetreten, die Rüstungsexporte zu senken. Wieso ist das bislang nicht gelungen? Ist es tatsächlich so schwer, weniger Waffen zu exportieren und wenn ja, warum? Weiterlesen →

Politische Diskussionskultur: Lasst uns streiten!

Warum ist die Diskussionskultur im Netz so furchtbar? Und was hat das mit Politik zu tun? Wir besprechen Antwortversuche und weiterführende Fragen. Denn auf Facebook rumnölen und über „die da oben“ oder „die doofen Wähler“ schimpfen, kann jeder. Was wir mit euch in den nächsten Monaten vorhaben ist viel anstrengender: Streiten. Aber gepflegt.

 

Streiten. Aber gepflegt!

Lasst uns streiten! (Bild stammt ursprünglich vom Capoeira bei einer Recherche in Brasilien)

Wann hat es eigentlich angefangen, dass sich unsere Facebook-Freunde gegenseitig anpöbeln? War es, als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen? Oder erst als PEGIDA dagegen auf die Straße zog? Oder hat es vielleicht mit ganz anderen Dingen zu tun?

Wir sind Journalistinnen und damit traditionell daran gewöhnt, beschimpft zu werden. Früher lief das per Leserbrief, heute als Kommentar. Das ist also nicht neu. Neu ist vielmehr, dass Leser und Zuschauer sich heute gegenseitig beschimpfen und zwar vor allem, wenn es um politische Themen geht und am liebsten in Kommentarsträngen zu Postings, von denen sie nur die Überschrift gelesen haben. Doch wie sollen wir und ihr uns in dieser aggressiven Flüchtigkeit eine Meinung für die Bundestagswahl im nächsten Jahr bilden? Wie sollen wir wichtige Sachfragen besprechen, wenn uns die feindseligen Alltäglichkeiten dazwischenfunken? Weiterlesen →

„Geile Gesetze bekommt niemand mit“

Warum ist die AFD im Netz so erfolgreich? Wie hat die Digitalisierung die Politik verändert? Vor welchen Problemen steht der Politikjournalismus? Und was ist eigentlich mit der SPD passiert? Wir haben den Politikberater Martin Fuchs ausgefragt, drei Tage bevor unser politisches Crowdfunding auf Startnext endet. 

Martin Fuchs berät Regierungen, Parlamente, Parteien und Verwaltungen in digitaler Kommunikation. Außerdem bloggt er seit 2011 über Social Media in Politik und Verwaltung unter www.hamburger-wahlbeobachter.de.

Martin Fuchs berät Regierungen, Parlamente, Parteien und Verwaltungen in digitaler Kommunikation. Außerdem bloggt er seit 2011 über Social Media in Politik und Verwaltung unter www.hamburger-wahlbeobachter.de. Wir haben ihn vor drei Jahren auf einem Medienseminar über politische Protestbewegeungen kennen gelernt.

Du nennst dich ja Hamburger Wahlbeobachter, bist aber nicht nur während Wahlen aktiv. Was beobachtest du denn zwischen den Wahlen?

Ehrlich gesagt beobachte ich inzwischen gar nicht mehr so gerne Wahlen, weil der Ablauf immer ziemlich ähnlich ist. Spannender ist es, zu beobachten, wie Politiker zwischen den Wahlen versuchen in kontinuierlichen Kontakt zu den Bürgern zu kommen. Zum Beispiel per Facebook, Twitter und Snapchat. Ich würde sagen seit ca. zwei Jahren haben wir eine komplette Social Medialisierung der Politik.

Und wie schlagen sich die Politiker da so? Weiterlesen →