Welche Partei ist am schlechtesten auf Neuwahlen vorbereitet, Martin Fuchs?

Martin Fuchs, Politikberater. (Bildquelle: Martin Fuchs)

Wie schlimm war das Philipp Amthor-Video wirklich? Wie tief wird die SPD noch fallen? Und was, wenn die GroKo morgen crasht? Wir haben Politikberater Martin Fuchs mit Fragen zu Neuwahlen, Fridays for Future und der politischen Selbstinszenierung gelöchert.

Crowdspondent: Martin, dein Tipp: Wann müssen wir mit der nächsten Bundestagswahl rechnen?

Auch wenn ich keine Glaskugel habe, gehe ich davon aus, dass die GroKo das Jahr 2019 nicht überleben wird. 

Ich denke, die Union wird bis Mitte nächsten Jahres als Minderheitsregierung weitermachen: Sie wird sich bis dahin wechselnde Mehrheiten organisieren müssen.

Das finde ich extrem spannend. Ende 2020 wird es dann Neuwahlen geben, um die Stabilität des Landes in politisch unsicheren Zeiten nicht zu gefährden.

Hui, das ist ja eine ziemlich konkrete Prognose! Ist AKK bis dahin Merkel genug, um Kanzlerin zu werden?

Ich weiß nicht, ob AKK so werden muss wie Angela Merkel – aber ich glaube dass die Verteidigungsministerin das Standing und Rüstzeug hat, um Kanzlerin zu werden – trotz all der Fehler und Missgeschicke, die ihr bisher unterlaufen sind. Fehler machen ist kein Makel und sollte jeder Spitzenpolitiker*in erlaubt sein, wenn sie daraus lernt. Das ist ein wichtiger Reifungsprozess für die Übernahme des wichtigsten deutschen Staatsamtes. 

Du berätst Parteien in ihrer digitalen Kommunikation. Wie peinlich fandest du als Profi die Reaktionen der CDU auf das Rezo-Video?

Wenn ich an die Antworten der CDU auf das Rezo-Video denke, zweifle ich an dem, was ich jeden Tag tue. Alles, was da schief gelaufen ist, versuche ich den Leuten seit Jahren zu erklären. Auf der einen Seite frustriert mich das, auf der anderen Seite werde ich so nie arbeitslos. 

Hast du eigentlich das Antwortvideo von Philipp Amthor gesehen?

Ja. Dazu kann ich nur soviel sagen: Ich war vorher schon der Meinung, dass so ein Video keine gute Idee ist. Danach war ich davon sogar noch überzeugter.

Was hätte die Partei besser machen müssen? 

Um zu verstehen, was die Youtuber-Szene bewegt, hätte sich die CDU schon Jahre vorher mit ihr auseinandersetzen müssen. In dem konkreten Fall wäre ich als AKK und Paul Ziemiak (Generalsekretär der CDU, Anmerkung der Redaktion) nach Aachen gefahren und hätte mich in das Kinderzimmer von Rezo gesetzt und mit ihm geredet – ohne Öffentlichkeit, ohne Medien. 

Dann hätten sie vielleicht verstanden, was so viele junge Menschen aufregt: Dass die Regierung Bewegungen wie Fridays for Future oder die Protestaktionen gegen Artikel 13/17 am langen Arm verhungern lässt – nach dem Motto „Protestiert ihr mal schön, wir machen in Berlin und Brüssel weiter, was wir wollen.“

Dass Parteien die junge Generation nicht ernst nehmen, ist leider nichts Neues. Die Politik hört auf sie grundsätzlich zu wenig. Das liegt am System: Sie sind einfach keine relevante Wählerschicht.

Du hast eben schon selbst Fridays for Future angesprochen. Eigentlich ein klassisches Grünen-Thema und die prominenteste FFF-Vertreterin Luisa Neubauer ist ja auch Mitglied der Partei. Trotzdem sitzt sie als Aktivistin in den Talkshows, nicht als Grüne. Das ist ja strategisch schon ganz clever, oder?

Anders würde es nicht funktionieren: Hätte man Fridays for Future als Partei aufgezogen, wäre die Bewegung nicht so groß geworden. Ich nehme Luisa Neubauer und den anderen Akteur*innen aber ab, dass dahinter kein parteipolitisches Kalkül steckt. Wären die Grünen an der Regierung, würden sie sich für das Thema einsetzen, als Oppositionspartei mit 8,7% haben sie dazu aber keine Möglichkeit. Dass die Grünen im Hintergrund die Fäden bei FFF ziehen ist aus meiner Sicht eine Verschwörungstheorie. 

Der Hintergrund ist viel simpler: Die Jugend ist frustriert und deshalb steht sie auf. Natürlich gibt dabei auch parteipolitische Verbindungen, das ist aber immer so: Es gibt einfach so 5000 bis 10 000 engagierteMenschen in Deutschland, die immer wieder in bestimmten Kontexten auftauchen, weil die die Aktiven sind, die versuchen, Gesellschaft zu ändern und zu verbessern. 

Quelle: Internet. (Nein Spaß, Quelle: Martin Fuchs)

Vor der letzten Bundestagswahl haben wir für „Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?“ die politischen Ideen und Fragen unserer User eingesammelt – und Klimaschutz war weder für unsere User*innen noch für das restliche Medien-Deutschland ein Thema. Jetzt starten wir in eine neue Staffel und mehr als eine Million Deutsche gehen fürs Klima auf die Straße. Welche anderen wichtigen Themen vernachlässigen Journalisten aktuell und könnten auch wir leicht übersehen?

Auf jeden Fall das Thema Einsamkeit: Wir denken, wir sind total vernetzt und kennen so viele Menschen, aber das soziale Miteinander ist abhanden gekommen. Das sieht man auch an der Diskussionskultur im Netz: Menschen wollen gehört werden. 

Interessant, dass du das Wort „sozial“ ins Spiel bringst – eigentlich klassisches SPD-Vokabular. In unserem letzten Gespräch 2017 hast du gesagt, dass die Partei richtig tief fallen muss, um sich zu regenerieren. Seitdem ist die SPD gefühlt im Dauerfall, aber von Regeneration ist immer noch keine Spur …

Es geht bei dem Fall, den ich meinte, weniger um Zahlen. Es geht darum, dass die Partei begreift, dass sie vor existenziellen Fragen steht. Und das hat die Spitze mittlerweile begriffen. Vielleicht brauchen wir aber in Deutschland auch überhaupt keine zweite Volkspartei mehr, weil die Menschen auf dieses Konzept keine Lust mehr haben. Einthemenparteien wie die Grünen, die FDP und die AfD waren in den letzten Jahren erfolgreich, weil sie mit ihrem einen Hauptthema viele Leute mobilisieren konnten.

Die FDP ist aus unserer Sicht ja eher eine Einmannpartei als eine Einthemenpartei … Immerhin kennt sich das einzige öffentlich sichtbare Mitglied ganz gut mit dem Internet aus: Hast du den Podcast von Christian Lindner schon mal gehört?

Ich höre ihn fast jedes Mal. Das ist eine großartige Idee. Nicht weil jeder jetzt einen Podcast braucht, sondern weil man sich mit dem politischen Gegner auseinandersetzen sollte. Lindner lädt ja Politiker*innen wie Dorothee Bär, Dietmar Bartsch oder Aktivist*innen wie Luisa Neubauerein und redet eine Stunde konstruktiv über Politik. Sogar ich als Politiknerd lerne dabei immer noch etwas. 

Aber ist diese Selbstinszenierung und Selbstbefragung der Politik nicht auch eine Gefahr? Lindner ist ja nicht der Einzige: Jens Spahn ist auch auf Instagram sehr aktiv und selbst Philipp Amthor hat kürzlich bei Markus Lanz verkündet, dass er jetzt seine eigene Berichterstattung macht.

Auf jeden Fall. Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe der Medien, diese PR-Strategien kritisch einzuordnen und auseinanderzunehmen. Jeden Tweet einer Politiker*in zu kommentieren ist kompletter Schwachsinn. Aber Journalist*innen sollten sich stärker mit den Inhalten beschäftigen: Sind die Dinge, die Jens Spahn auf seinem Kanal als positiv darstellt, wirklich so toll? Journalist*innen müssen Politiker*innen dazu zwingen, in andere Formate zu gehen und zu erklären, warum er gewisse Themen aufgreift.

Als wir das letzte Mal über Politik gesprochen haben, war für dich die AfD die Partei, die es durch ihre Social Media Strategie am besten geschafft hat, viele Leute zu erreichen. Und heute?

Das macht sie auch weiterhin richtig, um ihr Ziel zu erreichen, ihr Wählerklientel zu mobilisieren. Was im EU-Wahlkampf deutlich sichtbar war: Sie erreichen von allen Parteien online die meisten Menschen – und das sogar ohne Facebook-Werbung. Aber mittlerweile sind sie an eine gläserne Decke gekommen. Sie haben ein Wählerpotential von etwa 14-15 Prozent würde ich sagen, im Osten etwas höher. Aber über diese Gruppe von Menschen mobilisieren sie nicht weiter. Und eine zunehmende Radikalisierung würde auch eher dazu führen, dass sie Wähler*innen verlieren. 

Die Linke dagegen ist bei den letzten beiden Ost-Wahlen vollkommen abgeschmiert und auch sonst merkwürdig unsichtbar. Was läuft da schief?

Die LINKE hat sich in den letzten Jahrzehnten zu sehr von ihrer eigentlichen Rolle als ostdeutsche Protest und Kümmererpartei entfernt, allein schon weil sie nun eben in Koalitionen Regierungspolitik gemacht hat. Dabei hat sie die eigentliche Wählerbasis teilweise enttäuscht, zudem sind viele Ihrer klassischer Wähler*innen ganz plastisch weggestorben und sie hat es nicht geschafft neue Milieus zu erschließen. Die Strategie, das urbane, links-liberale Klientel zu erreichen, kann wohl aktuell als gescheitert bezeichnet werden. 

Angenommen, die GroKo crasht von jetzt auf gleich und in 21 Tagen gibts vorgezogene Neuwahlen: Welche Partei ist aus deiner Sicht dafür derzeit am schlechtesten aufgestellt?

Ich glaube, Neuwahlen zum jetzigen Zeitpunkt wären für alle Parteien ein extremer Kraftakt, aber insbesondere CDU/CSU und SPD sind gerade eher schlecht aufgestellt. 

Die CDU-Führung ist erst frisch im Amt, die SPD hat momentan keine wirkliche Führung. Beide Parteien stehen in Umfragen schlecht da und ihnen fehlt Geld. Standard im Wahlkampf ist eine gefüllte Kriegskasse von ca. 20 Millionen Euro. Alle anderen Parteien haben wesentlich geringere Budgets und sind von der Organisation her schlanker aufgestellt. Insbesondere die Grünen könnten von Neuwahlen aktuell am stärksten profitieren.

Aber auch die AfD ist im nun beginnenden Auseinanderbrechen zwischen völkischem Flügel und gemäßigten Konservativen strategisch nicht besonders gut aufgestellt. Das zeigen die Zerwürfnisse in vielen Landesverbänden, die aktuell nur von den Erfolgen im Osten überstrahlt werden. 

Glaubt ihr auch, dass es bald zu Neuwahlen kommt? Wir freuen uns über eure Meinungen! Übrigens: Nicht nur die Kassen von SPD und Union sind leer, auch wir benötigen noch Geld, um unsere Recherchen zu finanzieren. Wenn dir dieses Interview gefallen hat, teile den Artikel und unterstütze uns auf steady. Denn ab jetzt sind wir wieder für euch im politischen Deutschland unterwegs und recherchieren eure Themen

Eure Themen für “Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?”

Wir gehen wieder auf Recherchereise durch Deutschland – mit euren politischen Themen im Gepäck. „Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?“ fragen wir uns und euch dafür. Denn wir machen Politikjournalismus von unten!

Die ersten Vorschläge sind bereits über YouTube, Facebook, Instagram, Twitter und per Mail an (info(at)crowdspondent.de) eingetrudelt. Jetzt sind wir gespannt auf eure Meinungen dazu. Was denkt ihr über die Themen? Fallen euch konkrete Ansprechpartnerinnen ein? In welche Orte sollen wir für die Umsetzung reisen? Und: Welche Themen fehlen euch noch? Alle bislang erschienen Folgen findet ihr in unserer Übersicht.

Und los gehts:

1) Natur pur

Habt ihr schon mal etwas davon gehört, dass die Kinder von Landwirten in der Schule gemobbt werden? Wir nicht, bis wir diese Mail von unserem User Michael bekamen:

“Die Landwirtschaft wird immer mehr kritisiert, mal zu Recht, aber häufig zu Unrecht! Wasserschutz, Tierschutz, Massentierhaltung, Vermaisung, Glyphosat sind nur einige Themen wo wir an den Pranger von irgendwelchen NGO’s und Medien gestellt werden! Einige Politiker springen immer wieder gerne auf diesen Zug auf! Das hat zur Folge, dass immer öfter Landwirts-Kinder in Schulen gemobbt werden, das finde ich einfach nur traurig und macht mich gleichzeitig wütend!”

Michael, Landwirt (per Mail)

Michael reißt hier und im Verlauf der Mail noch viele weitere Themenkomplexe an: Glyphosat, wenig hilfreiche Subventionen und mangelnde Unterstützung von Bauernverbänden. Wir können uns eine kleine Reihe zur Agrarpolitik aus verschiedenen Perspektiven (Landwirtinnen, Verbraucher, Tierschützerinnen…) gut vorstellen. Und ihr?

Natürlich ist das nicht das einzige Naturthema, das bei uns angekommen ist: Die Grünen sind im Aufwind, das Netz basht Vielfliegende und viele von euch fragen sich: Warum gibts für die Klimakrise eigentlich immer noch keine Lösung, Deutschland?

Facebook-Kommentar von Andreas

Was müsste passieren? Ist die Berichterstattung zum Thema angemessen? Oder übertrieben? Und wer sind eigentlich die Klimawandelleugner?

Vorschlag Klimaleugnung per Instagram

Leider sind die meisten Vorschläge dazu noch recht vage. Wenn ihr also ganz konkrete Ideen habt, her damit!

2) Ungerechtes Deutschland

Reiches Land, arme Leute? Markus hat uns über unseren Blog kontaktiert und will, dass wir uns mit Ursachen und Hintergründen zum Thema Obdachlosigkeit befassen.

Mit wenig Geld kämpft auch Kerstin. Erinnert ihr euch noch sie? Vor zwei Jahren begleiteten wir sie zum Thema „Die Abgehängten“. Hier unser Video über ihr Leben:

Sie versucht gerade einen Neustart – bei der Bundeswehr. Und würde uns gerne noch mal wiedersehen.

Unter dem Video mit ihr und insgesamt auf unserem YouTube-Kanal häufen sich derweil die Themenvorschläge zum Thema Arbeitswelt. Hier ein Beispiel:

Alex per YouTube-Kommentar

Außerdem: Was wurde eigentlich aus der sozialen Marktwirtschaft? Fragt Judith per Mail:


“Von der sozialen Martkwirtschaft zum neoliberalen Turbokapitalismus – Wann, warum und wodurch hat sich die soziale Markwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards in einen neoliberalen Kapitalismus nach angelsächsischem Vorbild verwandelt? Wie wirkt sich das auf die soziale Ungleichheit aus? 1. Kapitalertragssteuer ~25% vs. Einkommenssteuer ~40%, 2. Lohnzuwachs bei hohen Gehältern vs. Lohnverlust bei mittleren und niedrigen Gehältern.”

Judith per Mail

In diese Richtung passt auch der Wunsch, dass der sogenannten Cum-Ex-Geschäfte (naaa, wer kann auf Anhieb erklären, was das ist?) und ihre Folgen von uns verständlich erklärt werden.

Gino auf Instagram

Eine Herausforderung, die wir gerne annehmen. Vorausgesetzt, ihr wollt das auch. Weitere Erklär- bzw. Vertiefungswünsche: Die 5%-Hürde, Rüstungsexporte und die – unterbeleuchtete – Funktion des Bundesrats:

3) Heimat Internet

Dirk hat uns auf dem Social Community Day in Köln vorgeschlagen, dass wir uns auf eine Art Heimatreise durch das Internet begeben. Und dabei die wichtigsten Netz-Menschen Deutschlands treffen. Auch um der Politik zu zeigen: Dieses Internet geht nicht einfach wieder weg. Wir finden den Gedanken sehr interessant. Was denkt ihr darüber und welche Menschen fallen euch ein?

Heimatreise durchs Internet? Foto von einem japanischen Oktoberfest, zu dem ihr uns 2015 geschickt habt

4) Migration

Klar, auch die gesamte Flüchtlingsdebatte ist euch immer noch wichtig. Wenngleich eure Wünsche und Blickwinkel sich etwas von der klassischen Berichterstattung unterscheiden. So wie bei Dominik, der uns per Mail schreibt:

“Geht ins normalste deutsche Dorf, kein verlassenes in Sachsen, kein hippes Aussteigerdorf in Brandenburg, sondern eines, dessen Bewohner von “Deutsche Dings” und “Alman Memes” persifliert werden. So eines aus dem alle in die Großstadt gekommenen Stadtkinder kommen.

Zeigt, wie die Situation nach der Migration seit 2015 ist. Zeigt die Leute im Asylbewerberheim, die, die sich um sie kümmern, aber auch vor allem die, denens egal ist und die, die sich aufregen.

Man hört immer wieder von Ehrenamtlern, die Hilfe brauchen. Stimmt das? Kümmert sich überhaupt noch irgendwer? Leben alle nebeneinander her? Gab es Probleme im Dorf? Wollen die Dorfbewohner ihre Ruhe? Was ist mit denen, die seit Jahren im Heim rumhocken (müssen)?

Ich will mir vorstellen, wie das in den meisten Orten Deutschlands aussieht. Ohne Drama, ohne Helden, ohne Verklären.”

Dominik

Oder wie bei Ahmad, der aus Syrien nach Deutschland gekommen ist und gerne mit uns über Säkularismus sprechen würde:

“Ich setze mich deutlich für den Säkularismus ein, und beschreibe den als ein ,,Muss” für die Entwicklung jeder menschlichen Gesellschaft im 21en-Jahrhundert. Das hat auch was mit meinem Hintergrund zu tun, weil ich ganz klar in Syrien sehen konnte, wie die Religion eine katastrophische politische Rolle in dem Bürgerkrieg gespielt hat. Ich bin auch ein Ex-Muslim, der den Islam insgesamt sehr kritisch ansieht. Ich unterscheide aber zwischen dem Islam auf einer Seite und den Muslimen auf der anderen Seite. Die Muslime sind Menschen genauso wie wir (ich war vor meiner Migration selber einer!!), und die Menschen können wir immer aufklären und nach vorne bringen.”

Ahmad

5) Politische Utopien

Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland steigt, viele haben Angst vor der Klimakrise und über Religion reden wird immer anstrengend… Also am besten einfach den Kopf in den Sand und lalala Serien gucken, Welt in Ordnung. Oder? Nee! Es gibt Menschen, die an eine bessere Welt glauben: Utopisten. In der ersten Staffel von „Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?“ haben wir Tobi getroffen. Ein strikter Gegner des Kapitalismus:

Seitdem haben wir immer wieder die Aufforderung von euch bekommen, mehr über Menschen mit neuen Ideen zu berichten. Diesem Wunsch würden wir gerne nachkommen. Also: Welche inspirierenden Menschen und Projekte fallen euch ein? Bitte melden!

Und wie gehts weiter?

Wir wollen jeden Monat einen Vorschlag umsetzen. Wenn ihr das gut findet, unterstützt uns auf steady und/oder schickt uns eigene Ideen! Falls euer Thema auf dieser Liste noch nicht zu finden ist, haben wir es nicht vergessen, sondern es kommt auf die nächste Themenliste. Sonst wird das bisschen viel auf einmal …

Unser Projekt beruht übrigens auf dem Solidarprinzip: Jeder kann Themen vorschlagen und unsere Videos und Texte ansehen, unabhängig davon, ob derjenige das Projekt finanziell unterstützt. Das funktioniert aber nur, wenn zumindest ein kleiner Teil der Leser und Zuschauer (ca. 100 Leute) uns bei steady abonniert. Daher freuen wir uns sehr, wenn ihr uns dort unterstützt oder euren reichen Großtanten, Großonkels oder Großnichten davon erzählt.

Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland? Staffel 2

Wie sieht Politik für Erwachsene von morgen aus? Wie ist es um unsere Meinungsfreiheit bestellt? Und was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?

Aufgrund des großen Erfolgs der ersten Staffel wollen wir eine zweite Staffel unserer Politik-Recherche “Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?” starten. Und dafür brauchen wir euch!

Deutschland verändert sich gerade drastisch. Die politische Landschaft ist im Umbruch, die Diskussionskultur wandelt sich und viele Menschen wünschen sich einen anderen Umgang mit politischen Themen.

Ihr seid unser Boss. Deshalb suchen wir eure Fragen und Themenvorschläge rund um Politik und Gesellschaft in Deutschland.

  • Was sollen wir recherchieren?
  • Mit wem sollen wir sprechen?
  • Welche Themen werden von anderen Medien vernachlässigt?

Macht mit bei unserem Politik-Journalismus und schickt uns eure Ideen an info (at) crowdspondent.de oder schreibt sie uns hier, auf Facebook, Instagram oder YouTube in die Kommentare.

Aus euren Themen machen wir dann Texte und Videos. In der ersten Staffel “Was ist eigentlich los mir dir, Deutschland?” sind 24 Folgen entstanden. Das erfolgreichste Video ist ein Beitrag zum Thema “Politische Utopien” und wurde auf Youtube mehr als 600 000 Mal angesehen.

Wir würden gerne ein politisches Thema pro Monat umsetzen. Damit das klappt, brauchen wir auch eure finanzielle Unterstützung. Auf der Plattform steady könnt ihr ab sofort Crowdspondent-Mitglied werden. Wir hoffen natürlich, dass ganz viele von euch mit dabei sind. Wir brauchen ca. 100 Menschen, um das zu schaffen.

Für alle, die uns bislang treu auf der Plattform Startnext unterstützt haben (DANKE!!!) und sich jetzt fragen: “Huch, was soll das?” hier die Erklärung, warum wir zu Steady gewechselt sind: Wir wollen weg von der projektbasierten Arbeit und hin zu regelmäßigeren Veröffentlichungen. So können wir euch bessere, gründlichere, langfristigere Recherche bieten. Statt einem jährlichen Crowdfunding, haben wir uns deshalb für dieses Mitgliedermodell entschieden.

Wir schalten keine Werbung und sind deshalb auf diese Form der Finanzierung angewiesen. Wenn ihr unsere bisherigen Recherchen gut findet, erzählt euren Freunden, reichen Erbtanten und sonstigen Menschen von unserer zweiten Staffel. Lasst uns gemeinsam den Politik-Journalismus für morgen machen!

Griechenland und die vergessenen Flüchtlinge: Unsere Langzeitdoku aus Lesbos

Eigentlich wollten wir nur ein zehnminütiges Video über die Situation der Flüchtlinge auf der griechischen Urlaubsinsel Lesbos drehen. Eine kleine Doku und dann ab nach Hause. Das war im November 2017. Doch was wir vor Ort erlebten, hat sich so in unsere Köpfe gebrannt, dass wir von der Insel nicht mehr loskamen. Denn in dem chronisch überfüllten Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos gehören Gewalt, Islamismus und sexueller Missbrauch zum Leben. Eine der Ursachen: Der EU-Türkei-Deal.

Das griechische Flüchtlingslager Moria ist ein Ort des Grauens: Frauen tragen Windeln, weil sie sich nachts aus Angst vor Vergewaltigungen nicht auf die Toilette trauen. Schon die Kinder sind suizidgefährdet. Außerdem ist das Camp die perfekte Brutstätte für Islamisten: Im vergangenen Jahr attackierten sie Kurden und Jesiden mit Eisenstangen. Tausend Menschen flohen aus dem Lager, das eigentlich ein Schutzort sein soll. Die griechische Regierung und die Europäische Union sind mit der Situation überfordert, sie kriegen das Lager nicht unter Kontrolle. Regelmäßig kommt es zu Aufständen und Bränden, Flüchtlingshelfer leiden unter Depressionen. Nicht nur die Bewohner des Camps, auch die griechische Bevölkerung auf Lesbos fühlt sich von der Politik alleine gelassen und von der Welt vergessen. All das wollen wir mit dieser Langzeitdoku zeigen.

Lesbos: Die schönste Hölle auf Erden

Hintergrund zum Film

Dieser Film war ursprünglich Teil einer Recherchereise durch Griechenland, bei der wir mit Menschen aus verschiedenen Altersklassen, Schichten und Städten gesprochen haben, um zu erfahren, wie es Griechenland heute geht und was die Leute in Griechenland von der Europäischen Union halten. Das Projekt wurde komplett von unseren Usern finanziert und alle behandelten Themen wurden von unseren Leserinnen und Zuschauern vorgeschlagen. Daraus sind 7 Video-Folgen entstanden.

Im Laufe der Recherche stellten wir fest, dass sich auf der Insel Lesbos viele Probleme häufen, die sinnbildlich für die gesamte Griechenlandkrise, aber auch für die gescheiterte EU-Flüchtlingspolitik stehen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, hierzu eine unabhängige 42-Minuten-Doku zu produzieren. Zahlen und weitere Infos findet ihr in diesem Text.

In diese Doku ist viel Geld und Zeit geflossen. Weitere unabhängigen Recherchen sind nur möglich, wenn unsere Leser und Zuschauer uns finanziell unterstützen. Wenn du willst, dass wir weitermachen, unterstütze uns auf Steady!

Wie geht es Griechenland heute? Alle bisherigen Folgen

Auf unserer crowdfinanzierten Recherchereise “Wie geht es Griechenland heute?” sind bislang sieben Reportagen erschienen. Hier findet ihr sie gebündelt. Die letzten zwei Folgen werden wir nach der Veröffentlichung ergänzen.

Jung, gebildet, arbeitslos: Wie geht es Griechenland heute? Folge 1

Stell dir vor, die Hälfte der Menschen in deinem Alter wäre arbeitslos. So ist die Situation für Studenten in Griechenland. Was denken sie über ihre Zukunft? Und glauben sie noch an die EU? Das seht ihr in Folge 1 von „Wie geht es Griechenland heute?“

Den Recherchehintergrund zu der Situation der Studenten in Griechenland Weiterlesen →