Berlin, Weihnachtsmarkt: Wie sagen, was ist?

Der Journalist soll sagen, was ist. Das forderte der Verleger Rudolf Augstein. Was aber, wenn etwas ist, der Journalist aber nicht genau weiß, was?

In Berlin wurden mit einem LKW auf einem Weihnachtsmarkt 12 Menschen getötet und online hauen sich viele Leute verbal die Köpfe zu diesem Thema ein. Wie sollen Journalisten sich in solchen Extremsituationen verhalten? Verstummen, bis klar ist, was genau passiert ist? So handhaben das einige Medienseiten, sie sind vorsichtig geworden, auch weil sie in der Vergangenheit viel Kritik gehört haben. Das bedeutet aber auch: Sie lassen ihr Publikum alleine und überlassen es damit im Zweifel schlechter informierten Quellen. Mit einem Handy in der Hand zum Tatort rennen und einen Live-Stream starten, um zu zeigen, was vor Ort passiert? Das bringt viele Klicks, aber mindestens genauso viel Ärger, denn die Gefahr, dass man dabei Polizeiarbeit behindert, Tätern versehentlich hilft oder verstorbene oder verletzte Menschen gegen ihren Willen ablichtet, ist groß. Das Wenige, was man weiß, veröffentlichen und dazu schreiben, was man nicht weiß? Auch das tun einige Portale – oft stellt sich dann aber heraus, dass das, was die Redaktion/die Polizei/die Politik „wusste“ dann doch nicht komplett gestimmt hat – denn die Informationslage kann sich ständig ändern. Das Geschehen auf einer Meta-Ebene einordnen, ohne dass man genau formulieren kann, worauf man sich überhaupt bezieht? Auch diesen Spagat probieren gerade einige Kollegen.

Wie berichten Journalisten angemessen bei Katastrophen, Anschlägen, Amokläufen? Das fragen sich gerade viele Journalisten – auch wir. Im Gegensatz zu Kollegen am Newsdesk, die unter Zeit- und Kostendruck stehen, haben wir die Möglichkeit, euch zu fragen: Wie wünscht ihr euch Journalismus in Krisensituationen? Was sind Positiv-Beispiele und was schreckt euch ab? Welche Stimmen wollt ihr kurz-/mittel-/ und langfristig gerne hören? Oder ist euch die Berichterstattung sowieso schon zu viel? Falls wir genug interessante Antworten zusammenkriegen, werden wir daraus einen Artikel schreiben, der uns und Kollegen helfen kann, einen besseren Job zu machen. Denn wir beschäftigen uns im Rahmen unserer Recherche „Was ist los mit dir, Deutschland?“ unter anderem damit, wie (Politik-)Journalismus heute funktionieren sollte.

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