Hubschrauberdichte, Parkbeobachtungen und Lehrer-Recherche

Die nächtlichen Lichter von Sao Paulo

Die nächtlichen Lichter von Sao Paulo

Sao Paulo macht auf uns schon einen ganz anderen Eindruck als Rio. Hier gibt es zum Beispiel ziemlich viele Leute mit Hunden, die besonders nachts sehr aktiv sind. Und die Stadt wirkt auf uns teilweise europäischer. Die Klamottenläden haben zum Beispiel T-Shirts mit der Großbritannien-Flagge im Schaufenster und hier sitzen viele deutsche und internationale Unternehmen. Stärker als in Rio kommt uns in Sao Paulo die Trennung zwischen Armen und Reichen und die Unterteilung in sichere und unsichere Stadtviertel vor. Wir wurden jetzt schon mehrmals vor „No Go“-Areas gewarnt und auch auf den Straßen sind uns sehr schick gekleidete Menschen ebenso aufgefallen wie Mütter, die gemeinsam mit ihren Kindern um Geld bitten.

Gestern haben wir uns mit Denise und ihrem Mann Patrick getroffen. Zu den beiden hat uns Roland geschickt, der in Rio für die deutsche Botschaft arbeitet. Denise ist auch Journalistin und hat mal in Berlin einen Austausch bei der Zeitung „Tagesspiegel“ gemacht. Wir waren mit ihnen und unserem Gastgeber essen und haben uns ein paar Infos über die Stadt und mögliche interessante Menschen geben lassen.

Bei Gastgeber Martin fühlen wir uns sehr wohl. Er hat einen Kollegen dessen Cousin an einer öffentlichen Schule arbeitet. Mit dem sprechen wir morgen und hoffen, uns die Schule mal anschauen zu können.

Gestern waren wir zur Erholung in einem Park. Da ist uns aufgefallen, dass man Fahrräder und Inline-Skates dort extra ausleiht, um sie mit in den Park zu nehmen. Denn auf normalen Straßen sind solche sportlichen Aktionen kaum möglich, zu viel Verkehr. Juliane hat uns dazu passend geschrieben, dass Sao Paulo die Stadt mit der größten Hubschrauberdichte ist, weil sich reiche Leute so dem Straßenverkehr entziehen. Vielleicht finden wir ja mal jemanden, der uns in seinem Hubschrauber mitnimmt. Und Felix hat uns erzählt, dass hier teilweise Leute im gepanzerten Taxi zur Arbeit fahren, damit sie während der mehrstündigen Fahrt zur Arbeit in Ruhe an ihren Laptops arbeiten können. Solche Taxis haben wir allerdings bisher noch nicht gesehen (Hubschrauber dagegen schon!).

Sao Paulo in der Abenddämmerung

Sao Paulo in der Abenddämmerung

Die Kamera hatten wir bisher noch nicht so mit draußen, weil wir noch nicht richtig einschätzen konnten an welche Orte wir sie problemlos mitnehmen können und wo wir sie lieber daheim lassen. Deshalb müsst ihr (noch) auf Fotos verzichten (Holen wir bald nach, versprochen).

Wir haben übrigens eine Mail von (dem in Brasilien lebenden) Leser Maximilian bekommen, der meint, unsere Texte seien zu stark auf die negativen Seiten Brasiliens konzentriert. Wir als Journalistinnen sind natürlich immer stark daran orientiert, wo Probleme liegen. Andererseits wollen wir euch kein verzerrtes Brasilien-Bild liefern. Uns gefällt es hier sehr gut und wir bekommen auch mit, dass sich in den letzten Jahren vieles positiv verändert hat. Zu schauen, wie sich zum Beispiel die WM auf das Leben hier auswirkt und an welchen Institutionen in Brasilien Geld fehlt, ist uns dennoch wichtig. Wir versuchen aber, die Anregung von Maximilian in unsere weitere Arbeit mit einfließen zu lassen. Wenn ihr der Meinung seid, dass wir bestimmte Aspekte vernachlässigen, dann schreibt uns ruhig, so wie es Maximilian gemacht hat.

Im Moment denken wir öfter darüber nach, wie wir Crowdspondent fortführen können, wenn unsere Brasilien-Mission vorbei ist. Unter dem Artikel über uns, der gerade bei ZDF Hyperland erschienen ist, haben sich darüber auch schon ein paar andere Leute Gedanken dazu gemacht. Wir fanden es ganz spannend, das zu lesen, vielleicht ist es auch für euch interessant.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Lisa und Steffi,

    Als brasilianischer Journalist (http://www.journalists-network.org/index.php?artnr=309), der seit vielen Jahren in der Schweiz lebt, finde eure Arbeit einfach klasse. Es ist einfach besser, wenn man ganz „frisch“ in einem Land ist und seine Eindrücke teilen kann. Korrespondenten tendieren sich mit der neuen Heimat zu identifizieren, wenn sie lange da sind.
    Ich komme zwar aus Rio, aber verbrachte berufsbedingt einige Jahre in São Paulo. Da ich in Berlin studiert habe, wurde diese Stadt für mich eine zweite Heimat. Letztendlich ist „Sampa“ die einzige kosmopolitische Stadt des Landes. In unserem Haus im Stadtteil Higianópolis lebten ich und zwei Deutsche in einer WG. Unsere Nachbarn waren orthodoxen Juden, Französen und ein paar Brasilianer.
    Ich hätte für euch, falls ihr Zeit habt, ein paar Vorschläge:

    – São Paulo „Multikulti“: Stadteile wie Liberdade (Japaner, Koreaner, usw.), Bom Retiro (Juden, Koreaner) und Brooklin Paulista (Deutsche) besuchen und Menschen beschreiben, die dort leben.

    – Die Favela Monte Azul. Ein sehr altes aber interessantes Projekt von Ute Craemer.

    http://www.monteazul.de/monte-azul-brasilien/ute-craemer.html

    – Galeria do Rock (Adresse: Rua 24 de Maio 62). Für mich ein ganz besonderer Ort als alter Rock’n’Roller :). Ich empfehle sogar einen Besuch des Fanclubs von Raul Seixas. Meiner Meinung nach der symbolträchtigsten Sänger des Landes, da alle soziale Sichten ihn lieben und hören (in Deutschland kaum bekannt).
    (http://unlike.net/sao-paulo/shop/galeria-do-rock)

    Ich warte gespannt auf eure neue Beiträge…
    Um brande abraço
    Alexander

  2. Lieber Alexander,

    wow, danke für die vielen Worte und Ideen! Nach Liberdade wollten uns schon mehrere Leute schicken, die Idee, das mit anderen Stadtteilen zu verbinden ist ebenfalls gut! Die anderen Vorschläge gucken wir uns auch an.

    Viel Spaß noch in der Schweiz und nochmal Danke 🙂

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